deutsch-türkische Geschichten

deutschsprachiger Blog über Themen rund um das deutsch-türkische Leben in Deutschland


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Emrah Serbes über „Junge Verlierer“

Wie ich an anderer Stelle bereits schrieb, bin ich ein großer Fan des bikulturellen Verlags binooki. Die Schwestern Selma und Inci, die wie ich in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, verlegen türkische Gegenwartsliteratur auf deutsch, um damit die Kulturen ihrer beiden Heimaten zu verbinden. Der junge Verlag hat mit seiner Geschäftsidee hier in Deutschland offene Türen eingerannt und bereits 3 Preise kassiert, darunter den Kurt-Wolf-Förderpreis 2013. Einer der Autoren, deren Werke sie auf Deutsch verlegen, ist Emrah Serbes, der mit seinen 33 Jahren bereits zu den erfolgreichsten Schriftstellern der Türkei zählt. Sein jüngstes Werk, der Erzählband „Erken kaybedenler“, ist 2009 in der Türkei erschienen und befindet sich dort mit bereits 50.000 verkauften Exemplaren in der 11. Auflage. Binooki hat das Buch nun unter dem Titel „Junge Verlierer“ für den deutschen Markt veröffentlicht und Emrah Serbes hierfür nach Berlin eingeladen. Weiterlesen


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Alles Kismet?

[…]Neulich schob mir Julia im Restaurant wie selbstverständlich die Oliven zu, die der Kellner uns als Vorspeise gebracht hatte. „Weil ich Türkin bin, muss ich die jetzt essen, oder was?“, fauchte ich meine Freundin an. „Nein“, sagte sie verblüfft, „weil du sie, seit wir uns kennen, gerne magst.“ So tief sitzt mein Frust schon, dass ich meiner Freundin wegen ein paar Oliven unterstelle, dass sie mich in die Migrantenschublade steckt. Ich bin auf dem besten Weg, eine Problemtürkin zu werden…[…] 

Die in Deutschland aufgewachsene Türkin Hatice hat es satt, spätestens seit der Integrationsdebatte ständig als Quotentürkin herzuhalten: Von Beruf Journalistin, wird sie zu Gesprächsrunden nur aufgrund ihrer türkischen Herkunft eingeladen, um dann als vermeintliche Expertin für die gesamte islamische Welt zu fungieren. Sie ist es leid, immer wieder unter dem Generalverdacht zu stehen, türkischstämmige Deutsche seien nicht integrationswillig. Als sie von ihren Eltern völlig unverhofft eine kleine Eigentumswohnung in Istanbul vermacht bekommt, wandert die alleinerziehende Mutter kurzentschlossen gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter in die Türkei aus. Wenn sie in Deutschland schon nicht als Deutsche akzeptiert wird, möchte sie es mal als Türkin in der Türkei probieren, und stellt sich die Frage: Kann eine Frau, die in Deutschland aufgewachsen ist, sich in der Türkei überhaupt wohl fühlen? Dem Land ihrer Eltern, das sie bis dahin nur als Urlaubsland kannte?

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